Wednesday, February 28, 2007

Black History Month in Germany: An African-German educator speaks out

So, I know that you all have been waiting patiently for our resident historian "Patrick" as referenced in my first post in the series Black History Month in Europe: An Introduction... so without any further ado, I present the work of my friend and a young man that I admire a great deal - Patrick von Deutschland!

Special note for non-German speaking readers:
Don't panic! The English version is on its way. I'm still not satisfied with the translation and Patrick has used a few difficult words "auf Deutsch". What the heck is Geistesleben?




Schwarze Geschichte?
Was ich im Geschichtsunterricht und im Geschichtsstudium über die Geschichte Schwarzer Deutscher bzw. Schwarzer Europäer gelernt habe!

Wie bereits angekündigt, schreibe ich, Patrick, einen Beitrag zur Schwarzen Geschichte in Deutschland und Europa. Wie ebenfalls angekündigt, bin ich Historiker (genauer gesagt Geschichtslehrer) und selbst Afro-Deutscher. Dreizehn Jahre lang habe ich in den verschiedenen Abteilungen des bremischen Schulwesens Unterweisung in historischen Sachverhalten erfahren. Fünf Jahre lang habe ich Geschichte an der Universität Bremen studiert. Das macht also insgesamt 18 Jahre. Achtzehn Jahre lernen von Geschichte – wow, das ist doch eine ganze Menge! Da muss doch einiges zusammengekommen sein!

Ist es auch. Was also, lieber Patrick, so frage ich mich nun selbst, hast du in jenen 18 Jahren über die Geschichte von Schwarzen in Deutschland bzw. Schwarzer Deutscher gelernt? Nichts. Wie, nichts? Das kann doch gar nicht sein! Es leben doch mehrere hunderttausend Schwarze in Deutschland und viele davon sind sogar Schwarze Deutsche!! Sind die erst seit wenigen Jahren da, oder was? Kann doch gar nicht sein, weil du selbst ja schon 30 Jahre alt bist!

Das einzige, was ich über Schwarze in Deutschland gelernt habe ist, dass nach dem 1. Weltkrieg schwarze Soldaten aus den französischen Kolonien (vorwiegend Senegalesen) als Besatzungstruppen im Rheinland stationiert waren und nach dem 2. Weltkrieg schwarze G.I.’s in der BRD. Angehörige beider Gruppen gingen mit ortsansässigen Frauen Verbindungen ein und hatten auch Kinder hier.

Dass die deutschen bzw. europäischen Juden im Nationalsozialismus Verfolgung und Vernichtung zu erdulden hatten, ist im Geschichtsunterricht vielfach behandelt worden. Ebenso die Tatsache, dass neben den Juden als größter Opfergruppe auch Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle, Kommunisten, Demokraten und bekennende Christen das gleiche grausame Schicksal teilten. Nicht jedoch ist das Schicksal der so genannten
„Rheinlandbastarde“, also der Nachfahren der schwarzen französischen Kolonialsoldaten, behandelt worden. Nicht nur soziale Ausgrenzung und Diffamierung wurde ihnen zu Teil, nein, sie wurden u.a. auch Opfer von Zwangssterilisation. Der berühmte Afro-Deutsche Hans-Jürgen Massaquoi (*19.01.1926 in Hamburg, „Neger, Neger, Schornsteinfeger!“) hat den Nationalsozialismus doch nur deshalb überlebt, weil seine Mutter ihn versteckt hat.

Kein Wort von diesen Dingen im Geschichtsunterricht, kein Wort davon auf den alljährlichen Gedenkveranstaltungen mit ihren unvermeidlichen „betroffenen“ Reden. Würde man eine Umfrage auf deutschen Straßen starten und fragen welche Bevölkerungsgruppen im Nationalsozialismus verfolgt wurden, könnten viele Leute zumindest einige der betroffenen Gruppen nennen. Aber die Schwarzen Deutschen? Die würden wohl den Wenigsten einfallen. Wie auch, denn es ist ja kein Thema!

Die Deutsche Geschichtswissenschaft (die ja für die Aufarbeitung dieser Wissenslücken in der Bevölkerung zuständig wäre) kennt eine Menge Unterdisziplinen, so z.B. Politikgeschichte, Kulturgeschichte, Frauengeschichte, Geschlechtergeschichte, Militärgeschichte, Medizingeschichte, Technikgeschichte, Wissenschaftsgeschichte Sozialgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Alltagsgeschichte, Mentalitätsgeschichte u.a.m. – „Schwarze Geschichte“ bzw. „Afro-Deutsche Geschichte“ als Unterdisziplin der Geschichtswissenschaft kennt sie nicht.

Schwarzer Geschichte kann es aber nicht in erster Linie um die Opferrolle der Schwarzen in der Geschichte gehen. Sicher, schwarze Europäer waren und sind als Minderheit in Europa Opfer von Ausgrenzung und Verfolgung und dies soll auch wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Aber das ist doch nicht alles! Was ist mit den Kulturleistungen von Afro-Europäern bzw. Afro-Deutschen? Was mit ihren Beiträgen zu unserer gemeinsamen europäischen Kultur? Wie war bzw. ist ihr Alltag? Haben sie eine eigene, ihnen gemeinsame Identität und Mentalität oder sind sie in puncto Mentalität und Identität der europäischen Mehrheitsbevölkerung gleich? Sind sie vielleicht einfach typische Vertreter europäischer bzw. deutscher Kultur oder sind sie vielmehr ein zunehmend wichtiger Bestandteil einer europäischen Gesamtkultur? Gab es Schwarze in Europa bzw. Deutschland vor dem 1. Weltkrieg und falls ja, wie sind sie hierher gekommen und wie haben sie gelebt? Diese und viele andere Fragen muss sich Schwarze Geschichte vorrangig stellen.

Der Afro-Deutsche
Anton Wilhelm Amo (1703-1759), der Jurist und Philosoph war und später sogar Professor an der Universität Halle wurde (ein afro-deutscher Professor im 18. Jahrhundert!), war mir bis vor wenigen Wochen gar nicht bekannt. Amo, eine der wichtigsten afro-deutschen Persönlichkeiten – und ich kannte ihn nicht! Aber mir hatte ja auch keiner etwas über Amo erzählt und allein durch Zufall bin ich eben nicht auf ihn gestoßen. Warum wird über Amo, der ja als deutscher Professor zu den großen deutschen Gelehrten zu zählen ist, nicht im Geschichtsunterricht, nicht im Geschichtsstudium, nicht im Philosophiestudium und nicht im Jurastudium berichtet? Warum wird über diese Persönlichkeit, die doch einen Beitrag zum deutschen Geistesleben und zur deutschen Kultur geleistet hat, nicht öffentlich gesprochen? Warum macht der „unvermeidliche“ TV-Historiker Guido Knopp nicht eine Sendung für das ZDF über Anton Wilhelm Amo? Wo ist die Historiker-Kommission, die das Leben von Amo genau untersucht und unsere Wissenslücken über diese wichtigen Afro-Deutschen schließt? Warum halten Bundespräsident Horst Köhler oder Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht eine Rede über Amo, um genau diese Dinge anzustoßen?

Nach meiner Auffassung muss sich Schwarze Geschichte in einen gesamteuropäischen Kontext stellen. Die in diesem Zusammenhang vordringliche Frage lautet: Seit wann leben afrikanisch-stämmige Menschen in Europa, d.h. seit wann gibt es Afro-Europäer?

Die meisten Leute würden wahrscheinlich spontan antworten, dass es Afro-Europäer erst im Anschluss an den 1. Weltkrieg gab – aber wir hatten ja schon festgestellt, dass Anton Wilhelm Amo bereits im 18. Jahrhundert in Deutschland lebte. Wem aber ist bewusst, dass
Alessandro de’ Medici (* 22. Juli 1510; † 6. Januar 1537) Afro-Europäer war? Alessandro de’ Medici, genannt il Moro („der Maure“), war von 1530 bis 1537 Stadtherr von Florenz und damit Herrscher einer der kulturell und politisch wichtigsten Städte im mittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen Europa. Offenbar war seine Hautfarbe kein Hinderungsgrund – und das ist nicht nur interessant, sondern für viele Zeitgenossen sicherlich auch verwunderlich. Was war denn mit dem Rassismus? Hat es die Florentiner, gerade die einflussreichen Florentiner nicht gestört, dass ein Schwarzer die Stadt beherrschte?

Aber mit dem Rassismus ist das so eine Sache, denn den gibt es bei weitem nicht so lange, wie man meinen könnte. Rassismus im engeren Sinne gibt es überhaupt erst seit dem Beginn der Neuzeit. Er ist in engem Zusammenhang mit der „Legitimation“ des Frühkolonialismus und der neuzeitlichen Sklaverei (ab dem frühen 16. Jahrhundert) zu sehen. Ebenso wie die Verachtung der mittelalterlichen Kreuzfahrer für die muslimischen Araber, ist die Verachtung der „Wilden“ im Frühkolonialismus eher eine Form des „kulturellen Rassismus“, d.h. es wird primär die vermeintlich primitive Kultur verachtet und eben nicht in erster Linie auf biologische Unterschiede abgehoben.

Einen systematischen „biologischen Rassismus“ gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert. Dieser ist im Zusammenhang mit der Epoche zu sehen, die wir meinen, wenn wir „Kolonialismus“ sagen – also die nahezu weltumspannende Beherrschung und Ausbeutung durch europäische Staaten und Kulturen im 19. Jahrhundert. Der zweifelhaften Ruhm, als Begründer des modernen, also des systematischen biologischen Rassismus zu gelten fällt
Arthur de Gobineau (* 14. Juli 1816, † 13. Oktober 1882; „Essay über die Ungleichheit der Menschenrassen“, 1853-1855) zu.

Wenn man sich also fragt in welcher Epoche ein reger Austausch zwischen Afrika und Europa begann, wird man nicht zuerst an die (Früh-) Neuzeit zu denken haben. Mit der Antike hingegen ist man wesentlich besser beraten.

In der Antike fand nicht nur ein personeller und kultureller Austausch zwischen Afrika und Europa statt. Nein, vielmehr waren Teile Afrikas ein Teil Europas – und zwar kulturell und staatlich. Das Römische Reich (der erste gesamteuropäische Staat) hatte mehrere afrikanische Provinzen: Aegyptus (heutiges Ägypten und Teile des nördlichen Sudans), Cyrenaica (in etwa das heutige Libyen), Africa (in etwa das heutige Tunesien und Teile des heutigen Algeriens) und Mauretania (in etwas das heutige Marroko und Teile des heutigen Algeriens). Es gab also
schwarze Römer !, Afrikaner, die römische Bürger waren und sich als solche als Geschäftsleute, als Beamte und als Soldaten auch im gesamten Imperium bewegten.

Im Militär des Imperiums waren schwarze Soldaten eine feste Größe. Die
Legio III Cyrenaica wurde um 36 v. Chr. von Marcus Antonius aufgestellt, als er Statthalter in der Provinz Cyrenaica war und auch die vom römischen Kaiser Septimius Severus aufgestellte Legio II Parthica bestand u.a. nachweislich aus afrikanischen Soldaten. Eben jene II. Legion wurde auch in Britannien zur Bekämpfung einheimischer Stämme eingesetzt. Das muss man sich mal vorstellen: Schwarze Römer, die weiße „Wilde“ (Skoten und Pikten ) jagen!

Aber es kommt noch besser: Eben jener
Kaiser Septimius Severus (193–211), der diese Legion ausgehoben hat und die militärischen Operationen in Britannien geleitet hat, war selbst ein Schwarzer (aus Leptis Magna in der Provinz Africa). Ein schwarzer Kaiser! Herrscher eines der größten und mächtigsten Reiche, das die Welt je gesehen hat – und heutzutage fragt man sich, wann es endlich mal einen schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten gibt, da waren wir also schon mal weiter… Die severische Dynastie umfasste noch weitere Kaiser, die direkt von Septimius Severus abstammten, nämlich Caracalla (211–217) und Geta (211), Elagabal (218–222) und Severus Alexander (222–235).

Auch die christliche Kirche des Römischen Reiches hatte viele Afrikaner in ihren Reihen. Unter ihnen finden wir einige der bekanntesten Namen des frühen Christentums, darunter die drei Kirchenväter
Tertullian, St. Cyprian und St. Augustinus von Hippo, die alle drei aus der Provinz Africa stammten. Es gab auch schwarze Päpste, darunter der dritte afrikanische Papst Gelasius I. (Papst von ca. 492 bis ca. 496), der die für das Verhältnis von Papsttum und Kaisertum wichtige Zweischwertertheorie formulierte.

Mit diesem kurzen Überblick versuche ich klar zu machen, dass Schwarze Geschichte ein weites, interessantes und für Deutschland und Europa wichtiges Forschungsfeld ist, das es verdient, eine eigenständige und geachtete Disziplin der Geschichtswissenschaft zu werden. Die Geschichte der Afro-Europäer reicht mindestens zweitausend Jahre zurück. Wenn Afro-Europäer heute selbstbewusst ihre Ziele als Individuen und als Bevölkerungsgruppe verfolgen, dann ist das nichts spektakuläres, dann ist das nichts Neues. Nein, es ist, historisch betrachtet, die Rückkehr zur Normalität.

ENDE

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5 comments:

Victoria B. Robinson said...

Hi BRE, could you please send me you email-address to vbr [a] gmx.de - I have some questions I need to have answered about the article and its author. Thanks! Victoria
PS: Met Adrianne (which was wonderful) and heard more about you...

Henry said...

Kaiser Septimius Severus und seine Nachkommen waren keine Schwarzen. Wie viele weisse adelige Römer haben seine Vorfahren in der römischen Provinz Africa führende gesellschatliche Positionen übernommen. Seine Familie entstammte der römischen Ritterschaft. Septimius sprach als Muttersprache Punisch. Der Fakt, dass er in Nordafrika geboren ist macht ihn ncht zu einem Schwarzen. Später ist er dann auf die italienische Halbinsel zurückgekehrt. Zwecks Ausbildung.

BRE said...

Thanks Henry for your input on the racial origins of Emperor Septimius Severus. I'll pass the information along to the author re: your comment on this subject. I understand that there is still considerable debate about the racial/ethnic background of this line of Roman emperors.

yaka s. said...

Hi! I found this post while I was doing a research about afrogerman people, actually about people like me. I would like to know weather there is any possibility to get in touch with the auther. I have a lot of questions and I would aprecheade it if I get an interviem with him.

BRE said...

Hello Yaka,

You may have noticed that I have not posted to Jewels in the Jungle for a very long time. However, since this particular subject matter is so important I feel obliged to respond to your comment.

I can pass your request along to the author of this particular post the next time I see him (it may take some time so please be patient). In the meantime please leave a way to contact you in the comments section of this blog post.

Best regards.
BRE